Der neue Transparenzbericht von Amazon belegt, dass Regierungen der Welt teils großes Interesse an sensiblen Nutzerdaten haben.

Digitale Daten: Nutzer mit Smartphone in der Hand
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Im Rahmen eines Transparenzberichts gibt Amazon regelmäßig Details zum Thema Datenschutz preis. So auch aktuell: Aus dem jüngsten Bericht geht hervor, dass Amazon in den letzten sechs Monaten des Jahres 2020 insgesamt 27.664 staatliche Anfragen zu Nutzerdaten verarbeitet hat.

Steigerung der Anfragen um 800 Prozent?

Das Fachportal TechCrunch setzt diese Zahl ins direkte Verhältnis zu den Werten des ersten Halbjahres 2020, um die immense Höhe zu verdeutlichen: In den Monaten Januar bis Juni habe Amazon demnach nur 3.222 entsprechende Forderungen von staatlicher Seite ausgewiesen. Dabei ist die Rede von einer satten Steigerung in Höhe von 800 Prozent.

Allerdings lassen sich die Zahlen nach Spiegel-Informationen gar nicht direkt miteinander vergleichen, denn Amazon habe den Bericht neu gestaltet und beispielsweise auch neue Metriken eingeführt, sodass die Daten teils anders als früher präsentiert werden: „So seien einige Unternehmensteile außerhalb der USA bisher gar nicht ausgewiesen worden. Das habe man nun geändert“, heißt es dort.

Nutzerdaten: Das wollen die Regierungen wissen

Wie hoch die Steigerung nun auch sein mag, dass ein grundsätzliches Interesse der Regierung an Amazon-Nutzerdaten vorhanden ist, dürfte unbestritten sein. Die Datenanfragen der Regierungen beziehen sich unter anderem auf sensible Daten der Amazon-Kunden, etwa ihr Einkaufsverhalten oder auch Suchanfragen auf dem Marktplatz. Aber auch Nutzerdaten rund um die hauseigenen Elektronikprodukte – etwa die smarten Lautsprecher Echo, die Streaming-Geräte der Marke Amazon Fire oder der Sicherheitskameras Ring – seien laut TechCrunch von den Anfragen betroffen.

Deutschland an Spitzenposition

Aus dem aktuellen Bericht gehen auch jene Länder hervor, die die häufigsten Anfragen gestellt haben. Es zeigt sich, dass die deutsche Regierung im Rahmen der aktuellen Bilanz an der Spitze steht: Datenanforderungen aus Deutschland nehmen mit 42 Prozent demnach den größten Teil der Anfragen ein. Den zweiten Platz belegt die spanische Regierung mit 18 Prozent, gefolgt von den USA sowie Italien mit jeweils 11 Prozent Anteil an den Gesamtanfragen.

Neu ist unter anderem auch, dass sich aus dem aktuellen Bericht nicht mehr ablesen lässt, wie viele staatliche Datenanforderungen im Zuge eines rechtlichen Verfahrens von den Behörden gestellt wurden. Ersichtlich wird jedoch, dass Amazon in 52 Fällen entsprechende Nutzerdaten weitergegeben habe.

Die Datenanfragen bezüglich des Cloud-Geschäfts von Amazon werden durch den Konzern separat aufgeführt: In diesem Bereich seien demnach 523 Datenanforderungen eingegangen bzw. verarbeitet worden. Hier führt nicht Deutschland das Anfragen-Ranking an, sondern die USA: Satte 75 Prozent der Anfragen wurden von US-amerikanischen Behörden gestellt. In insgesamt 15 Fällen seien entsprechende Nutzerinhalte weitergegeben worden.

/ Geschrieben von Tina Plewinski





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