Amazon soll der „beste Arbeitgeber der Welt“ werden – das ist die große Vision aus dem aktuellen und letzten Aktionärsbrief des Noch-Amazon-Chefs Jeff Bezos.

Jeff Bezos
© Amazon

Ist es Zufall oder nicht, dass der vielbeachtete und in diesem Fall letzte von Jeff Bezos’ Briefen an die Aktionäre genau auf den Zeitpunkt nach der Abstimmung über einen Gewerkschaftsbeitritt bei Amazon fällt? Obwohl die Amazon-Mitarbeiter mehrheitlich dagegen gestimmt haben, gibt sich Bezos teilweise demütig und kritikfähig. Man müsse mehr für die Mitarbeiter tun und brauche „eine bessere Vision“. Und wie man es bei Amazon gewohnt ist, fällt diese auch gleich recht großspurig aus: Amazon soll in unbenannter Zukunft der „beste Arbeitgeber und der sicherste Arbeitsplatz der Welt“ werden. Es wäre der nächste Superlativ nach dem selbst proklamierten „Unternehmen mit dem größten Kundenfokus“.

Trotz/wegen massiver Kritik: Amazon will bester Arbeitgeber der Welt werden

Das dürfte ein langer, schwerer Weg werden, nach all der Kritik der vergangenen Monate – von Gerichtsklagen über die Arbeitsbedingungen bis zum jüngsten „Pinkel-Gate“. Die stets wiederkehrenden Vorwürfe, dass sich sein Unternehmen nicht um seine Mitarbeiter kümmere, weist Bezos aber zurück. Dafür verweist er unter anderem auf die Rate der Mitarbeiter, die Amazon als Arbeitgeber weiterempfehlen würden – diese liege bei 94 Prozent. Das Problem: Bei Amazons weltweiter Personalgröße von derzeit rund 1,3 Millionen Menschen würden eben immer noch 78.000 Angestellte von Amazon abraten. 

Stuart Appelbaum, Präsident der in der Abstimmung unterlegenen US-Gewerkschaft Retail, Wholesale and Department Store Union (RWDSU), hält Bezos’ Aussagen eher für PR-Sprechblasen. „Das heutige Eingeständnis von Bezos zeigt, dass das, was wir über die Arbeitsbedingungen gesagt haben, richtig ist. Aber sein Eingeständnis wird nichts ändern, die Arbeiter brauchen eine Gewerkschaft – und nicht nur weitere Amazon-PR zur Schadensbegrenzung“, erklärte er in einem Statement zum Bezos-Brief.

So will Bezos die Arbeitsbedingungen bei Amazon verbessern

Bezos hat bereits konkrete Projekte angekündigt, die die Bedingungen der Logistik-Mitarbeiter verbessern sollen – und denen er sich auch in seiner dann neuen Rolle als Executive Chair widmen will. So will man etwa monotone Belastungen in den Logistikzentren und daraus folgende Muskel-Skelett-Erkrankungen durch ein optimiertes Rotationsprogramm bei der Arbeit verhindern: Anhand von Algorithmen werden die Mitarbeiter dann jeweils abwechselnd unterschiedlichen Aufgaben zugeordnet. Eine deutsche Amazon-Insiderin hatte darüber bereits berichtet

Amazon-Fakten: 200 Mio. Prime-Kunden / 1,9 Mio. Marktplatz-Händler / 1,3 Mio. Amazon-Mitarbeiter

Der scheidende Amazon-Chef nennt in seinem Abschiedsbrief auch noch weitere wichtige Zahlen und aktuelle Meilensteine von Amazon:

  • Amazons Abo-Dienst Prime nutzen jetzt weltweit 200 Millionen Kunden

  • 1,9 Millionen kleine und mittelständische Unternehmen verkaufen weltweit über den Amazon-Marktplatz – sie bringen etwa 60 Prozent des Amazon-Handelsumsatzes 

  • 100 Millionen Smart-Home-Geräte sind bereits mit Alexa verbunden

  • Amazon hat allein 2020 rund 500.000 Mitarbeiter eingestellt und jetzt insgesamt weltweit 1,3 Millionen Angestellte
/ Geschrieben von Markus Gärtner




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