Amazon bietet alten und neuen Mitarbeitern in den deutschen Logistiklagern jetzt bald mehr Lohn: Neu-Einsteiger sollen zwölf Euro zum Start bekommen, an allen deutschen Standorten steigt der Lohn ab 1. Juli. 

Mitarbeiter im Amazon-Lager
© Amazon

Die Löhne und Bedingungen in Amazons Logistik sind ein ewiges Thema: Gewerkschaften und auch Mitarbeiter kritisieren die Gehälter. Jetzt reagiert Amazon auf den Druck und erhöht in Deutschland die Löhne sowohl für das bestehende Personal als auch für neue Mitarbeiter: Letztere sollen beim Start zwölf Euro brutto pro Stunde erhalten, wie das Unternehmen mitteilt. Die Einstiegslöhne sollen dann nach Abstimmung mit den lokalen Betriebsräten je nach Standort umgerechnet zwischen mindestens 12 Euro und 13,84 Euro brutto pro Stunde liegen. Zuvor lag der Stundenlohn – je nach regionalem Standort – etwa zwischen 11,10 Euro und 11,91 Euro. Im Herbst 2022 soll der Einstiegslohn erneut erhöht werden und dann mindestens 12,50 Euro betragen.

Höhere Löhne bei Amazon Deutschland ab 1. Juli

Auch die über 16.000 bestehenden Mitarbeiter der deutschen Logistikzentren sollen ab 1. Juli jeweils mehr Geld erhalten. Genaue Zahlen wurden dazu aber nicht genannt. „Unsere Mitarbeiter:innen in der Logistik können gut vom Lohn leben“, versichert Deutschlands Amazon-Chef Ralf Kleber im Blog-Beitrag dazu.

Verdi fordert Mindesteinkommen von 12,50 Euro 

 „Die Ankündigung höherer Einkommen ist wohl das Mindeste, was man von einem Konzern verlangen kann, der sich in den vergangenen Monaten eine goldene Nase verdient hat. Amazon bleibt noch immer hinter den Tarifforderungen der Gewerkschaft Verdi im Einzel- und Versandhandel zurück“, erklärt Orhan Akman, bei Verdi verantwortlich für den Einzel- und Versandhandel. Verdi fordert ein Mindesteinkommen von 12,50 Euro für alle Beschäftigten und eine tabellenwirksame Gehaltserhöhung von 4,5 Prozent plus 45 Euro.

Akman kritisiert außerdem, dass sich Amazon weiter der Tarifbindung entziehen will. „Mit scheinbar freiwilligen Zugeständnissen ist es nicht getan. Nur ein Tarifvertrag bietet den Beschäftigten tatsächlich abgesicherte und vor allem gute Arbeitsbedingungen und Einkommen. Ansonsten sind sie von Lust und Laune eines Jeff Bezos oder irgendwelcher anderen Manager abhängig.“

Das sagen Mitarbeiter zu den Lohnerhöhungen

Amazon-Angsestellte wissen zum Teil noch gar nichts von der geplanten Erhöhung, wie ein Mitarbeiter uns auf Nachfrage mitteilt. „Das wäre ja endlich mal was! Immerhin haben sie ja auch ihren Gewinn mehr als exorbitant erhöht! Ich glaube, sie finden nämlich langsam kaum noch Mitarbeiter für ihre neuen Standorte in Deutschland, das hab ich schon gehört“, berichtet der Insider. „Ich bin gespannt, ob wir dann prozentual mehr bekommen … das wären ja von 11,30 auf 12,50 fast zehn Prozent mehr Lohn bis September!“

Zu den Löhnen kommen jeweils noch Bonuszahlungen, beschränkte Mitarbeiteraktien (sogenannte Restricted Stock Units), kostenlose Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen, Sondervergütungen für Überstunden sowie Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge. Außerdem übernimmt Amazon beim Weiterbildungsprogramm Career Choice 95 Prozent der Kosten. Wer sich bei Amazon bewerben möchte, findet alle nötigen Infos auch in unserem Ratgeber.

Auch in den USA hat Amazon gerade erst den Stundenlohn seiner Logistik-Mitarbeiter um 50 Cent bis zu 3 US-Dollar angehoben. Die Erhöhungen sollen wohl Teil von Jeff Bezos’ Versprechen sein, der „beste Arbeitgeber der Welt“ zu werden. 

Hier berichten Amazon-Mitarbeiter über ihre Löhne

Im Video führt die von Amazon engagierte Bloggerin Cherifa Akili Interviews mit Amazon-Angestellten in den Logistik-Zentren, die sich wenig überraschend positiv über ihre Löhne äußern. Die Kommentare unter dem Video sind allerdings deaktiviert. 

 

/ Geschrieben von Markus Gärtner