Amazon will von Social-Media-Diensten wie Facebook mehr Unterstützung im Kampf gegen gefälschte Rezensionen auf dem Marktplatz.

Hände tippen Bewertungen
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Das Geschäft mit gefälschten Bewertungen ist die Hydra des Online-Shoppings – kaum totzukriegen. Seit Jahren kämpfen die Online-Marktplätze dagegen an, ebenso konstant passen sich Anbieter und Fake-Schreiber an. Jetzt will Amazon das Schwert schärfen und fordert vor allem von Facebook mehr Initiative, wie das Unternehmen im Blog mitteilt.

So läuft der Betrug mit Fake-Bewertungen auf Amazon

Oft läuft das Geschäft mit den gefälschten Rezensionen so: Betrügerische Online-Händler, die ihre Produkte auf dem Marktplatz unrechtmäßig pushen wollen, finden unter anderem in speziellen Gruppen bei Facebook Anbieter von Fake-Bewertungen, die wiederum zig oder hunderte Schreiber haben. Die einzelnen Fake-Rezensenten erhalten dann das Produkt in einer regulären Bestellung, sowie teils Vorgaben wie die falschen Produktbewertungen aussehen sollen. 

Und bei der Organisation dieses Betrugs steht Facebook im Fokus der jüngsten Kritik von Amazon: Der Marktplatz wirft dem blauen Social-Media-Riesen vor, etwas zu behäbig beim Vorgehen gegen solche Gruppen zu sein. „Wir wissen zwar zu schätzen, dass einige Social-Media-Unternehmen inzwischen viel schneller reagieren, aber um dieses Problem in großem Umfang anzugehen, müssen Social-Media-Unternehmen unbedingt ausreichend in proaktive Kontrollen investieren, um gefälschte Bewertungen zu erkennen und durchzusetzen, bevor wir das Problem bei ihnen melden“, erklärt Amazon. 

Facebook reagiert zu langsam beim Sperren von Gruppen

Amazon nennt eklatante Beispiele für die wohl zu langsamen Abläufe bei Facebook und Co.: Im ersten Quartal 2021 habe Amazon über 1.000 derartiger Gruppen gemeldet, die Sperrung habe im Schnitt fünf Tage gebraucht. Im Jahr 2020 soll es sogar bis zu 45 Tagen gedauert haben, bis Facebook reagiert habe – im Online-Geschäft eine kleine Ewigkeit.

„Um Verbraucher zu schützen, müssen wir alle zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass wir unser einzigartiges Wissen nutzen, miteinander kooperieren und Betrugsversuche und gefälschte Bewertungen stoppen, bevor sie eine Chance haben, Verbraucher zu beeinträchtigen“, fordert Amazon nicht nur von sozialen Netzwerken, sondern auch von Verbraucherschutzbehörden weltweit.

Allein im Jahr 2020 habe Amazon über 200 Millionen mutmaßlich gefälschte Bewertungen gestoppt, bevor sie überhaupt online erschienen. Zuletzt hat Amazon etwa rund 20.000 Fake-Bewertungen auf seinem britischen Marktplatz gelöscht. Der Online-Riese nutzt dafür sowohl künstliche Intelligenz als auch menschliche Prüfer und geht außerdem immer wieder rechtlich sowohl gegen Anbieter von Fake-Rezensionen als auch die auftraggebenden Händler selbst vor.

Nachweislich echt sind aber diese Amazon-Bewertungen, die Jeff Bezos selbst geschrieben hat.

So können Nutzer Fake-Rezensionen erkennen

Experten des Unternehmens SafetyDetectives geben Online-Shoppern Hinweise, wie diese Fake-Bewertungen erkennen können:

  • Besonders verdächtig: Produkte, die zu 100 Prozent positiv oder negativ bewertet wurden. Online-Käufer sollten auch die Bewertungen vergleichbarer Produkte lesen.

  • Auf die Sprache achten: Gefälschte Bewertungen klingen oft wie Werbung und werten zum Teil sogar Konkurrenz-Produkte ab. Oft sind solche gefälschten Bewertungen auch recht kurz.

  • Werden in der Bewertung spezifische authentische Erfahrungen mit dem Produkt genannt – oder einfach nur immer wieder Schlüsselwörter und der Markenname? Klingen viele der gesamten Bewertungen ähnlich, könnte das ein Hinweis auf Fake-Bewertungen sein.

  • Den Account des Rezensenten überprüfen: Hat er viele Positiv-Bewertungen zu mehreren Produkten desselben Anbieters oder viele negative zu möglichen Konkurrenten abgegeben, könnte es sich um eine Fälschung handeln. 
/ Geschrieben von Markus Gärtner




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