Amazon Web Services stoppt die Geschäfte mit dem Spionage-Software-Anbieter NSO Group. Deren Spyware soll auch beim Mord an „Washington Post“-Kolumnist Kashoggi im Einsatz gewesen sein.

Smartphone das ausgespäht wird
David Peperkamp / Shutterstock.com

Eine Zusammenarbeit internationaler Medien hat einen der größten Überwachungs-Skandale der jüngsten Zeit aufgedeckt: Mit der Software „Pegasus“ des israelischen Herstellers NSO Group sollen weltweit die Smartphones Hunderter Journalisten, Aktivisten, Regime-Kritiker und Oppositionelle in verschiedenen Ländern ausgespäht und überwacht worden sein, wie die Süddeutsche berichtet.

Das kritisierte Unternehmen hat dafür auch Amazons Cloud-Dienst Amazon Web Services (AWS) genutzt. Jetzt hat AWS den Zugriff gestoppt und das Nutzerkonto von NSO gesperrt, wie das Portal Vice zuerst berichtet. „Als wir von dieser Aktivität erfuhren, haben wir schnell gehandelt und die entsprechende Infrastruktur und Konten abgeschaltet“, sagte ein AWS-Sprecher in einer Erklärung. Ähnlich ist Amazon auch schon bei der rechtslastigen Hetz-Plattform Parler verfahren – nach derer Abschaltung wurden damals sogar AWS-Mitarbeiter bedroht. Allerdings soll Amazon zuvor zu der bereits umstrittenen Zusammenarbeit mit NSO geschwiegen haben, wie Vice sagt.

Diese Länder sollen NSOs Spionage-Software nutzen

Die journalistische Organisation „Forbidden Stories“ hatte den Überwachungs-Skandal nach einem Leak von rund 50.000 Telefonnummern vermeintlicher Opfer aufgedeckt. Mit der Späh-Software „Pegasus“, die von NSO auch an autoritäre Länder verkauft wird, soll unter anderem Pakistan ausspioniert worden sein. Unter den Ländern, die die Spionage-Software genutzt haben sollen, seien unter anderem Indien, Mexiko, Marokko, Indonesien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kasachstan, Aserbaidschan, Togo, Ruanda sowie das EU-Mitgliedsland Ungarn. NSO soll „Pegasus“ auch in Deutschland angeboten haben, fand jedoch keine Abnehmer, wie die Süddeutsche erklärt.

Steht „Pegasus“ in Verbindung mit dem Mord an „Washington Post“-Kolumnist Kashoggi?

Ein tragisches Detail am Rande: Außerdem soll „Pegasus“ auch im Vorfeld der Ermordung des saudischen Dissidenten und Regierungskritikers Jamal Khashoggi zum Einsatz gekommen sein – dieser wiederum war Kolumnist bei Jeff Bezos’ Zeitung „Washington Post“. Bezos war nach der Ermordung auch bei Kashoggis Gedenkfeier.

Das sagt NSO zu den Vorwürfen

NSO hat sich zu den Berichten geäußert und weist auf seiner Seite alle Aussagen zurück. „Der Bericht von Forbidden Stories ist voller falscher Annahmen und unbestätigter Theorien, die ernsthafte Zweifel an der Zuverlässigkeit und den Interessen der Quellen aufkommen lassen. (...) In der Tat sind diese Behauptungen so ungeheuerlich und weit von der Realität entfernt, dass NSO eine Verleumdungsklage in Erwägung zieht.“

Auch die vermeintliche Nutzung beim Kashoggi-Mord weist das Unternehmen von sich, die Technologie stehe „in keiner Weise mit dem abscheulichen Mord an Jamal Khashoggi in Verbindung“. NSO verkaufe seine Technologien „ausschließlich an Strafverfolgungsbehörden und Nachrichtendienste überprüfter Regierungen zum alleinigen Zweck der Rettung von Leben durch die Verhinderung von Verbrechen und Terrorakten“.

/ Geschrieben von Markus Gärtner