In den USA wird derzeit ein Fall verhandelt, bei dem ein Marktplatz-Berater Mitarbeiter von Amazon bestochen haben soll.

Vor Gericht: Justitia in Nahaufnahme
Sergii Gnatiuk / Shutterstock.com

Ein ehemaliger Amazon-Mitarbeiter steht in den USA vor Gericht, weil er Amazon-Händlern auf illegalem Weg zu mehr Erfolg verhelfen wollte und dabei auch andere Anbieter ausgebootet haben soll. Rohit Kadimisetty arbeitete nach Angaben der Seattle Times bis 2015 selbst bei Amazon und gründete danach eine Beratungsfirma, die darauf spezialisiert ist, Händler auf dem Amazon-Marktplatz zu unterstützen.

Produktlisten von Konkurrenten seien deaktiviert worden

Im Rahmen seiner Beratungsfunktion für Amazon-Händler soll Kadimisetty ehemalige Kollegen bei Amazon bestochen haben, um auf diese Weise an vertrauliche Informationen über gewisse Marktplatz-Verkäufer zu kommen. Mithilfe dieser Informationen habe er seinen Kunden dann einen „unfairen Wettbewerbsvorteil auf dem Amazon Marketplace“ verschafft.

Außerdem habe Kadimisetty Ex-Kollegen bei Amazon dafür bezahlt, die Produktlisten konkurrierender Anbieter zu deaktivieren, um Käufer stattdessen zu den Angeboten seiner Unternehmenskunden zu lotsen. Anderen Marktplatz-Beratern habe er überdies als Vermittler gedient, damit diese ihren Unternehmenskunden nach gleichem Prinzip illegale Dienste dieser Art anbieten konnten.

Staatsanwaltschaft geht von 100 Mio. Dollar Schaden aus

Der angeklagte Ex-Amazon-Mitarbeiter habe sich vor dem US-Bezirksgericht in Seattle schuldig bekannt, an besagtem Bestechungsprogramm teilgenommen zu haben. Die US-Staatsanwaltschaft hat sich bereits zu den geschätzten Schäden geäußert, die durch den Betrugsring entstanden sein sollen: Diese sollen bei mehr als 100 Millionen US-Dollar liegen und umfassen „die Einnahmen der Händler, die von der Verschwörung profitierten, die entgangenen Verkäufe ihrer Konkurrenten und die Kosten für Amazon“, berichtet die Seattle Times weiter.

Für die Teilnahme am Amazon-Betrugsnetzwerk sollen Kadimisetty bis zu fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 50.000 US-Dollar drohen. Die mögliche Höchststrafe liege allerdings bei deutlich höheren 250.000 US-Dollar. Welche Folgen es für womöglich involvierte Amazon-Mitarbeiter gibt, blieb demnach offen – von Anklagen im Rahmen der aktuellen Ermittlungen seien sie bislang nicht betroffen.

/ Geschrieben von Tina Plewinski




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