Mit der Bilanz zum dritten Quartal 2021 dürfte Amazon bei den Anlegern keine Freudensprünge auslösen.

Finger tippt auf ein Amazon-Logo auf einem Bildschirm
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Nach dem glorreichen Jahr 2020, in dem Amazon durch die Pandemie gigantische Zuwächse verzeichnen konnte, war die Entwicklung im bisherigen Jahr vergleichsweise mau. Seit dem Jahresbeginn konnte der Kurs der Unternehmensaktie lediglich um zehn Prozent zulegen. Zudem hat der Konzern nun die Zahlen des dritten Quartals 2021 (Q3) vorgelegt – und damit bereits zum zweiten Mal in Folge schwächer abgeschnitten als von den Branchenexperten erwartet, schreibt die FAZ.

Amazons Reingewinn halbiert sich fast

Der Umsatz ist in Q3 um 15 Prozent auf insgesamt 110,8 Milliarden Dollar gestiegen. Im Vergleich zeigt sich hierbei die Abschwächung des Wachstums deutlich, denn noch im zweiten Quartal lag das Plus bei 27 Prozent. Auch die Analysten waren von einem höheren Wert von rund 111,6 Milliarden Dollar ausgegangen. Der Nettogewinn lag zwar immer noch bei 3,2 Milliarden Dollar – allerdings ist dieser aufgrund höherer Kosten stark zurückgegangen und hat sich fast halbiert. Während das Ergebnis pro Aktie nach den Erwartungen bei rund 8,92 Dollar liegen sollten, fiel der Wert mit 6,12 Dollar deutlich geringer aus.

„Wir haben immer gesagt, dass wir, vor die Wahl zwischen kurzfristigem Profit und langfristigem Kundeninteresse gestellt, uns für Letzteres entscheiden“, zitiert Heise Online Konzernchef Andy Jassy, der erst im Sommer die Nachfolge von Amazon-Gründer Jeff Bezos angetreten war. „Und das können Sie in dieser Phase der Pandemie sehen.“

Online-Handel schwach, Cloud-Service AWS und Online-Werbung stark

Der Online-Handelsbereich zeigt sich im Rahmen der aktuellen Quartalszahlen deutlich geschwächt: Das Umsatzwachstum lag an dieser Stelle bei geringen drei Prozent. Der Cloud-Sektor, der in der Vergangenheit stets als starkes Zugpferd vorangeprescht war, konnte sich auch dieses Mal positiv hervortun: Die Umsätze der Amazon Web Services (AWS) verzeichneten ein Plus von 39 Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar, was laut FAZ das stärkste Plus seit mehr als einem Jahr sei. 

Die Bedeutung der Cloud-Sparte lässt sich zudem an der überdurchschnittlichen Profitabilität ablesen, die sie im Vergleich mit anderen Bereichen vorweisen kann: Der entsprechende „Betriebsgewinn war höher als im gesamten Konzern“, heißt es weiter. Ebenfalls hervorragende Ergebnisse lieferte der Bereich der Online-Werbung. Das Wachstum der Umsätze wurde hier mit satten 49 Prozent angegeben.

Hohe Kosten belasten Amazon

Die Lage am Markt, eine starke Nachfrage durch die Kunden und die Entwicklungen rund um die Pandemie haben auch bei Amazon zu hohen Kosten geführt, die auf die Bilanz des Konzerns drücken: So musste das Unternehmen laut Heise etwa nicht nur neue Rechenzentren für den Cloud-Dienst AWS bauen, sondern auch mehr Mitarbeiter einstellen und höhere Gehälter zahlen. Hinzu kommen etwa erhöhte Kosten in der Logistik und Schwierigkeiten in den Lieferketten, was ebenfalls Kosten verursacht.

Die Zahl der Angestellten liege mittlerweile bei fast eineinhalb Millionen, was fast einer Verdopplung zum Wert von vor zwei Jahren gleichkommt. Auch die aktuelle Einstellungskampagne zur Weihnachtszeit dürfte für weitere Belastungen sorgen, denn neben den 150.000 Saison-Mitarbeitern in den USA, würden in Europa rund 50.000 und in Indien noch einmal 110.000 Hilfskräfte benötigt. Nicht umsonst verwies Jassy auf „mehrere Milliarden Dollar zusätzlicher Kosten“, die man im aktuellen Quartal im hauseigenen Verbrauchergeschäft erwarte.

Auf das wichtige Weihnachtsquartal blickt Amazon entsprechend vorsichtig. Nach aktuellen Prognosen erwartet der Konzern, dass sich das Umsatzwachstum weiter abschwächt und nur noch bei einem Wert zwischen vier und zwölf Prozent liegen soll.

/ Geschrieben von Tina Plewinski




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