Mehr und mehr US-Bundesstaaten schränken medizinische Eingriffe zum Abbruch ungewollter Schwangerschaften ein. Über die betriebliche Krankenversicherung will Amazon seinen Mitarbeitenden nun helfen.

Protest zu Schwangerschaftsabbrüchen in den USA
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Wie der Spiegel unter Berufung auf eine Mitarbeitermeldung seitens Amazon berichtet, stockt Amazon das Leistungspaket seiner betrieblichen Krankenversicherung jetzt deutlich auf. Mit bis zu 4.000 Dollar sollen schwangere Mitarbeitende unterstützt werden, um die Reisekosten zum Standort einer Klinik im Umkreis von 160 Kilometern zu ermöglichen. Die Leistung steht dabei auch für weitere Behandlungen zur Verfügung.

Setzt Amazon ein Zeichen für körperliche Selbstbestimmung?

Das Recht auf körperliche Selbstbestimmung ist in den konservativen USA seit jeher hart umstritten. Seit einer gerichtlichen Grundsatzentscheidung von 1973 sind Schwangerschaftsabbrüche dort gesetzlich eigentlich legal. Doch viele US-Bundesstaaten erschweren Ärzten und Kliniken mittels eigener Regulierungen die tatsächliche Ausübung ihrer Dienste. Hinzu kommen die enormen Kosten für die Patient:innen, welche in den seltensten Fällen von Versicherungen unterstützt werden. 

Umso deutlicher wirkt das Zeichen, welches Amazon mit der Anpassung seiner Gesundheitsleistungen nun setzt. Laut Ankündigung soll die Reisekostenerstattung dabei für ein breites Spektrum an Behandlungen, beispielsweise im Rahmen von Krebs, Fettleibigkeit, psychischen Erkrankungen oder Suchtleiden, gelten. Mitarbeitende können für derlei Behandlungen jetzt nach einem geeigneten Arzt im Umkreis von 160 km ihres Wohnortes Ausschau halten. 

Wiederholte Kritik an Arbeitsbedingungen

Der Impuls, sich für die Entscheidungsfreiheit schwangerer Personen einzusetzen, kommt dabei nicht unbedingt zuerst von Amazon. Andere US-Unternehmen suchen bereits seit Monaten nach Möglichkeiten, ihr Personal diesbezüglich zu unterstützen. Das IT-Unternehmen Salesforce bot laut Spiegel sogar Versetzungen in einen anderen Bundesstaat an, nachdem Texas im vergangenen Jahr ein besonders umstrittenes Anti-Abtreibungsgesetz eingeführt hatte. 

Da Amazon für seine Arbeitsbedingungen eher selten positiv im Rampenlicht steht, lässt sich mutmaßen, dass man sich durch den Beschluss positiven Zuspruch sichern wollte. Die Tatsache, dass die Bezuschussung nicht ausschließlich Schwangerschaftsabbrüchen, sondern einer Vielzahl von Behandlungen zugesprochen wurde, könnte ein weiteres Indiz hierfür sein. 

Kürzung der bezahlten Corona-Kranktage

Im Zuge der hauseigenen Gesundheitsreform kommen dabei auch Änderungen in Bezug auf die bezahlten Krankheitstage bei einer Coronainfektion. Gewährte der Konzern Mitarbeitern hier bisher eine bezahlte Freistellung für die gesamte Dauer der Infektion, so werden nunmehr nur noch fünf Tage übernommen. 

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/ Geschrieben von Ricarda Eichler