Amazon könnte in drei Jahren nicht mehr genug Arbeitskräfte in seinen US-Logistiklagern vorweisen, warnt ein interner Bericht.

Amazon-Arbeiter im Pausenraum
© Amazon

Amazon braucht ständig neue Leute: Der Online-Handel wächst und das Unternehmen will mit eigenen Marktplätzen in weitere Länder expandieren, wie aktuell bekannt wurde. Doch in den USA könnte es immer schwieriger werden, ausreichend Arbeitskräfte für das riesige Netzwerk aus Logistikzentren zu finden. Davor warnt ein interner Bericht von Amazon selbst, der vox.com zugespielt wurde. Die Berechnung bezieht sich dabei auf das Einkommensniveau und die Nähe eines Haushalts zu bestehenden oder geplanten Amazon-Standorten, nicht den gesamten Arbeitskräftemarkt der USA.

Amazon-Lager in Phoenix haben 2022 keine neuen Leute mehr

Demnach könnten Amazon bis 2024 die Mitarbeiter in seinen US-Lagern ausgehen. „Wenn wir wie gewohnt weitermachen, wird Amazon das verfügbare Arbeitskräfteangebot im US-Netzwerk bis 2024 erschöpfen“, soll es im Original heißen. Bestimmte Regionen seien besonders betroffen: Schon Ende 2021 sollen etwa in Phoenix/Arizona keine weiteren Arbeitskräfte mehr zur Verfügung stehen. Phoenix ist eines der wichtigsten Gebiete für Amazon: Das Unternehmen betreibt im dortigen Großraum mehr als 20 Einrichtungen. Amazon wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. 

Die Gründe für den prognostizierten Personalmangel dürften vielfältig sein: Die Bedingungen bei Amazon – vom Leistungsdruck mit Überwachung über die niedrigen Löhne bis zu den Verletztenraten – stehen immer wieder in der Kritik. Hinzu kommt, dass vor allem in Kalifornien viel Konkurrenz in dem Sektor der Arbeitsplätze für Geringqualifizierte herrscht. 

„Wir hören viele Arbeiter sagen: ‚Ich kann einfach über die Straße zu Target oder Walmart gehen‘“, erklärte Sheheryar Kaoosji von der gemeinnützigen Organisation Warehouse Worker Resource Center. Die Wechselraten von Mitarbeitern in Amazon-Logistikzentren waren zuletzt immens hoch (siehe Infokasten).

Amazon hatte schon beim Prime Day 2021 zu wenig Personal

Die Auswirkungen eines solchen Arbeitskräftemangels haben sich schon gezeigt: So soll Amazon etwa auch schon im Vorfeld des Prime Days 2021 deutlich unterbesetzt gewesen sein, Kunden mussten länger auf Bestellungen warten. Der diesjährige Prime Day am 12. und 13. Juli steht nun bevor.

Höhere Löhne oder mehr Roboter bei Amazon?

Im Bericht werden auch diverse Möglichkeiten genannt, das Problem anzugehen. Würde Amazon etwa seinen Lohn um jeweils einen Dollar erhöhen, könnten dafür jeweils sieben Prozent mehr Arbeiter überzeugt werden, so die Berechnung. Mit einer Erhöhung von 1,50 Dollar hätte Amazon die nächsten drei Jahre vermutlich genug Potenzial an Arbeitskräften. Außerdem könnte der Tech-Konzern auch auf mehr Automatisierung und den Einsatz von Robotern setzen. Auch die Auswahl eines neuen Standortes könnte mehr von dem dortigen Bestand an Arbeitskräften abhängig gemacht werden.

Amazon ist mittlerweile mit über einer Million Angestellten weltweit einer der größten privaten Arbeitgeber. 

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/ Geschrieben von Markus Gärtner