Eine weitere Expansion des Marktplatzes und eine Schatzsuche im eisigen Grönland, Rückschläge bei eigenen Diensten und die Übernahme einer Roboter-Firma – dies alles war in den vergangenen Wochen wichtig. Wir fassen zusammen.

Schriftzug August
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Höhere Prime-Kosten, neuer Videodienst und eine skurrile Show

Ab Mitte September sollte Amazons Kundenbindungsprogramm Amazon Prime teurer werden. Die monatlichen Kosten wurden von bisher 7,99 Euro auf 8,99 Euro erhöht, bei jährlicher Zahlung steigt der Preis von 69 Euro auf 89,90 Euro. Allerdings scheint der Konzern die Erhöhung doch etwas früher eingeführt zu haben, denn bereits Mitte August wurden die Preise auf der Website entsprechend angegeben. Zu erklären sei dies mit der kostenlosen 30-Tage-Probezeit, nach deren Ablauf ab dem 15. September dann der neue volle Preis beglichen werden muss.

Zahlende Prime-Kunden können seit Langem ohne Zusatzkosten auf den Streaming-Dienst Prime Video zugreifen. Nun hat sich Amazon dazu entschlossen, auch Nicht-Prime-Kunden einen Streaming-Dienst anzubieten. Dieser nennt sich Amazon Freevee und ist Anfang August in Deutschland gestartet. Bezahlt wird er mit dem Anschauen von Werbung – ein Fakt, den vor allem die Prime-Kunden kritisieren, da sie die Freevee-Inhalte trotz Prime-Abo nicht ohne Werbung genießen dürfen.

Apropos Streaming: Amazon arbeitet an einer neuen, kuriosen TV-Sendung: Der Konzern will die privaten Aufnahmen von Kundinnen und Kunden nutzen, die Überwachungs- und Sicherheitskameras der Tochterfirma Ring verwenden. Die Clips sollen außergewöhnliche Situationen zeigen und zum Lachen und Staunen einladen. Für alle Videos habe sich der Konzern die jeweiligen Rechte gesichert.

Logistik: Unverpackte Rücksendungen, Arbeitsunfälle und Lieferung aus stationären Geschäften

Ab dem 10. Oktober wird es für Kundinnen und Kunden eine neue Möglichkeit geben, Amazon-Bestellungen zu retournieren – und zwar ganz ohne Versandkarton oder Paketschein. Die ungewollten Produkte können dann ganz einfach in einem DHL-Paketshop abgegeben werden. Dort werden sie mehrere Tage gesammelt und dann gemeinsam zu Amazon gebracht.

Trotz hoher Sicherheitsstandards in den Logistikzentren, auf die Amazon immer wieder verweist, gab es jüngst wieder Unfälle von Mitarbeitern: In Carlisle, Pennsylvania stieß ein Gabelstaplerfahrer mit einem anderen Fahrzeug zusammen und verstarb wenige Tage später im Krankenhaus. Im US-amerikanischen Bundesstaat New Jersey sind hingegen ein neues Klimasystem und zusätzliche Ventilatoren installiert worden. Zuvor war hier im Stress des Prime Days ein Mitarbeiter zusammengebrochen und verstorben. Laut Amazon sei der Tod zwar auf eine „persönliche Erkrankung“ zurückzuführen, allerdings gab es auch Bedenken, dass hohe Temperaturen und Arbeitsbedingungen eine Rolle gespielt haben könnten.

Spannende Änderungen gibt es in Sachen Versand: Amazon liefert nun nämlich auch aus stationären Geschäften. Schon im Frühjahr gab es Gerüchte über entsprechende Tests in den USA. Nun wurden der offizielle Start taggleicher Lieferungen aus lokalen Filialen in zehn Ballungsgebieten in den USA verkündet. Dies soll eine schnellere Lieferung garantieren und Händler mit stationärem Background unterstützen. Als kooperierende Partner nannte Amazon etwa Diesel oder SuperDry. Das Angebot soll stetig erweitert werden.

Start in Belgien und Probleme mit Supermarktkette Fresh

Amazon expandiert mit seinem Online-Marktplatz weiter und hat den Start in Belgien verkündet. Wann genau es losgeht, ist noch nicht bekannt, allerdings können sich interessierte Händlerinnen und Händler bereits für die neue Plattform Amazon.com.be registrieren.

Weniger gut läuft es aktuellen Meldungen zufolge mit der hauseigenen Supermarktkette Amazon Fresh. In Großbritannien, wo es bereits mehrere Filialen gibt, laufen die Geschäfte demnach nicht so gut: „Enttäuschende Verkäufe und wirtschaftlicher Gegenwind“ hemmen die Kette. Aus diesem Grund sei die Eröffnung neuer Filialen zunächst gestoppt worden, heißt es. Glaubt man den Quellen, wurde auch die Suche nach potenziellen neuen Standorten auf Eis gelegt.

Saugroboter, Zahlung mit der Handfläche und ein kurioses Alexa-Urteil

Wesentlich besser scheint es im Bereich Technik zu laufen: Satte 1,7 Milliarden Dollar will sich Amazon die Übernahme des Saugroboter-Herstellers iRobot kosten lassen. Während der Konzern die fahrenden Technikwunder als nützliche Helferlein zum Zeitsparen anpreist, mahnen Kritiker, dass Amazon die Wohnungen seiner Kundinnen und Kunden durch die Roboter ausmessen und kartieren könnte, um die Daten später zu nutzen.

Schon vor längerer Zeit hatte Amazon in einigen seiner stationären Geschäfte die Bezahlung mittels Handfläche eingeführt. Nun wird der Dienst namens „Amazon One“ weiter ausgebaut und auf mehr als 65 Filialen der hauseigenen Biosupermarktkette Whole Foods erweitert. Grundsätzlich sei Amazon auch daran interessiert, die Technologie auch externen Unternehmen zur Verfügung zu stellen.

Die Sprachassistentin „Alexa“ kennt heutzutage fast jeder. Wer allerdings selbst Alexa heißt, könnte von Mobbing bzw. Diskriminierung betroffen sein, so wie im Fall eines sechsjährigen Mädchens aus Göttingen. Dieses wurde derart gehänselt, dass die Eltern vor Gericht zogen, um ihrem Kind einen zweiten Vornamen zu ermöglichen. Nötig wurde dies, da die Stadt Göttingen in einer Namensänderung keinen Grund sahen und das Anliegen ablehnte. Das Verwaltungsgericht Göttingen erlaubte den Wechsel allerdings aufgrund der seelischen Belastung für das Kind.

Auf Schatzsuche und Jacht-Fahrt

Jeff Bezos hat ein Auge auf Grönland geworfen – nicht etwa, um Urlaub zu machen, sondern um Schätze zu heben, genauer gesagt Mineralien. Da der Klimawandel das Grönlandeis zunehmend schmelzen lässt, ergeben sich voraussichtlich Möglichkeiten für den Bergbau. Aus diesem Grund machen sich Superreiche wie der Amazon-Gründer, aber auch Michael Bloomberg und Bill Gates, auf die Suche, um potenzielle Metalle und Mineralien zu bergen, die bislang unter dem Eis verborgen waren. Mit den Ressourcen sollen Hunderte von Millionen von Elektrofahrzeugen angetrieben werden – zum Wohle der Umwelt, wie es heißt.

Die neue Riesenjacht von Jeff Bezos ist so groß, dass sie bekanntermaßen Probleme bei der Auslieferung gemacht hat und es sogar Überlegungen gab, eine historische Brücke abzutragen. Anfang August startete die Mega-Jacht nun offenbar ihre erste Fahrt: In den frühen Morgenstunden des 2. Augusts verließ der 430-Millionen-schwere Dreimaster mit einer Länge von 127 Metern erstmals die Werft im niederländischen Alblasserdam. Sowohl Transportzeit als auch Route wurden offenbar so gewählt, dass die Fahrt aufgrund der massiven Kritik möglich unauffällig vonstattenging.

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/ Geschrieben von Tina Plewinski




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