Ein eigener Browser könnte Amazon zahlreiche zusätzliche Werbeeinnahmen erschließen.

Person surft am Laptop im Internet
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„Stellen Sie sich vor, es gäbe einen neuen Desktop/Laptop Browser. Welche der folgenden Punkte, könnten Sie überzeugen ihn zu downloaden und auszuprobieren?“ Mit dieser Frage schließt eine Marktforschungsumfrage, welche Amazon aktuell an ausgewählte Kundinnen und Kunden versendet. Die Umfrage lässt praktisch keine anderen Rückschlüsse zu, als dass das Unternehmen erwägt, einen eigenen Browser auf den Markt zu bringen.

Wie das Magazin Gizmodo mutmaßt, könnten derartige Überlegungen in Googles datenschutzrechtlichen Problemen und der zukünftigen Abkehr von Third-Party-Cookies begründet sein. Schließlich würde dieser Schritt den Chrome-Browser weniger attraktiv für Werbekunden machen – eine Lücke, die der Amazon-Browser schließen könnte?

Was steckt hinter dem Amazon-Browser?

Die Umfrage wurde zuerst durch den Consumer Reports Redakteur Nicholas De Leon über Twitter geteilt. Mittlerweile hat Gizmodo Screenshots sämtlicher Fragen veröffentlicht. Aus den spezifischen Gebieten, die Amazon dabei abklopft, lassen sich durchaus Rückschlüsse auf mögliche geplante Features des Browsers ziehen. So werden unter anderem Details zur Passwortverwaltung, Sicherheit, Shopping-Anbindung, VPN-Integration oder auch Audio-Ausgabe abgefragt.

Ein Feature, zu welchem Amazon ebenfalls das Nutzerinteresse evaluiert, ist eine KI-basierte Verwaltung von Tabs und Lesezeichen. Das Tool könnte diese eigenständig in sinnige Kategorien einordnen und für eine leichtere Suche und Zugriff sorgen. Mit einer KI-Integration wäre der Browser auf jeden Fall am Zahn der Zeit. KI-Tools, wie Bild- oder Textgeneratoren, sind derzeit der absolute Hype. Neben dem Flaggschiff am Markt, das von OpenAI betriebene ChatGPT, arbeiten bereits Microsoft sowie auch Meta an eigenen Modellen. 

 

Wie der Browser den Werbemarkt revolutionieren könnte

Dank seiner zahlreichen Daten über das Einkaufsverhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern ist Amazon schon lange ein lukrativer Player auf dem Werbemarkt. Mit einem eigenen Browser hätte das Unternehmen deutlich mehr Werbeflächen im Angebot als bisher. Zudem würden durch die Nutzung eines eigenen Browsers zahlreiche neue Daten hinzukommen. Sollte der Browser tatsächlich eine Shopping-Integration vorweisen, ließen sich die beiden Datensätze einfach verbinden.

Damit stünde Amazon in Sachen Datenlage perspektivisch deutlich besser da als der bisherige Platzhirsch Google. Nach mehreren Problemen mit Datenschutzorganisationen sieht Google sich indes genötigt, sich auf lange Sicht von den bei Werbekunden beliebten Third Party Cookies zu verabschieden. Stattdessen laufen seit kurzem erste Tests für die sogenannte Privacy Sandbox. Die Initiative soll eine Vereinbarung von Werbeschaltung und Datenschutz ermöglichen, was Verbraucherinnen und Verbraucher freuen könnte, Werbetreibende aber eher weniger. Wie Amazon die Datenschutzhürden meistern will, bleibt abzwarten.

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Geschrieben von Ricarda Eichler




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