Über den Service von Amazon hört man kaum Schlechtes, denn der Konzern trägt seine Kunden förmlich auf Händen. Was hingegen die eigenen Mitarbeiter angeht, gab es in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder Grund für Kritik: Mitarbeiter aus verschiedenen Ebenen berichteten von besorgniserregenden Zuständen. Doch Amazon scheint entsprechende Mängel durch Feedback aktiv ausmerzen zu wollen.

 

Feedback: Mann mit Fragezeichen
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Stetige Strebsamkeit und der Wille, sich immer weiter zu verbessern – das sind zwei Aspekte, die Amazon auszeichnen. Nicht umsonst hat sich das Unternehmen in vielen Bereichen zum absoluten Vorreiter entwickelt und kann Millionen zufriedener Kunden vorweisen.

Arbeitsbedingungen: Amazon reagierte bisher kaum öffentlich auf Kritik

Dass es aber hinter den Kulissen immer wieder Optimierungsbedarf gibt, zeigen verschiedene Berichte über gravierende Mängel in den Arbeitsbedingungen: So war beispielsweise schon von schlechter Bezahlung, Erschöpfungszuständen und tödlichen Arbeitsunfällen in den Logistikzentren die Rede, von Mobbing, gezielter Schikane und einem rücksichtslosen Umgang mit Krankheitsfällen ... Amazon-Chef Jeff Bezos hatte damals eher mit Ungläubigkeit reagiert als besondere Anteilnahme zu zeigen.

Wie es aussieht, sind die Berichte – sowie die hohen Wellen, die diese Nachrichten verursacht haben – aber nicht ohne Auswirkungen an Amazon vorbeigezogen: Wie bei Bloomberg zu lesen, habe das Unternehmen nämlich damit begonnen, regelmäßiges Feedback von seinen Mitarbeitern einzuziehen. Grundlage dieses Feedbacks ist ein internes System namens „Amazon Connections“, das jeden Tag Fragen zu Themen wie Arbeitszufriedenheit, Führung oder auch Ausbildungsmöglichkeiten verschickt.

Fragen an Mitarbeiter: Feedback-System soll Missstände aufdecken

Mithilfe der Antworten soll ein besseres Bild der aktuellen Situation gezeichnet und somit auch Schwachstellen aufgezeigt werden können. Dazu wird das vertrauliche Feedback der Mitarbeiter von Teams in Seattle und Prag begutachtet und in Berichten zusammengetragen. Diese Analysen wiederum werden dann im Unternehmen ausgewertet, wobei einige Mitarbeiter in bestimmten Fällen auch ermutigt werden sollen, detaillierter über bestimmte Arbeitsaspekte zu berichten.

Das Feedback-System wurde anfangs in den Logistikzentren genutzt, später jedoch auch in andere Abteilungen von Amazon ausgerollt.

Ob sich mit den Befragungen die Berichte über Arbeitsmängel minimieren, muss sich erst noch zeigen. Zumindest die kommenden Wintermonate dürften wieder kritisch werden: Denn dann stellt Amazon wieder Tausende neue saisonale Arbeitskräfte ein und der Druck wird durch das Weihnachtsgeschäft gravierend ansteigen.

/ Geschrieben von Tina Plewinski