Amazon will seine Logistik noch unabhängiger von den großen Playern in der KEP-Branche machen und hat ein Programm gestartet, das Menschen zu Logistik-Jungunternehmern machen soll. Das Ziel: Hunderte kleine Lieferdienste. Amazon gibt dafür auch eine „aktive Starthilfe“.

Amazon Logistik
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Amazon lässt beim Thema Logistik nicht locker. Um sich weiter von den etablierten Logistik-Partnern zu lösen, hat der Konzern nun ein ganz besonderes Programm aufgelegt. Amazon will nämlich von nun an Menschen dabei unterstützen, ihr eigenes kleines Lieferunternehmen aufzubauen. Dafür gibt es auch „aktive Starthilfe“.

Maximal 10.000 US-Dollar Startkapital benötigt

Wer sich als Unternehmer an dem Programm beteiligen will, erhält von Amazon Zugang zu einer Vielzahl von exklusiv ausgehandelten Preisnachlässen für wichtige Ressourcen, die man für den Betrieb eines Liefergeschäfts benötigt. Dazu gehören beispielsweise Amazon-gebrandete Lieferfahrzeuge, Uniformen, Benzin, Zugang zu den Liefertechnologien des Unternehmens, praktische Schulungen und Rabatte auf eine Reihe von Vermögenswerten und Dienstleistungen sowie Versicherungen – und natürlich jede Menge Pakete von Amazon.

Amazon will sich so über kurz oder lang eine eigene Lieferfirmen-Armee aufbauen. Der Konzern aus Seattle spricht von „Hunderten“ Kleinunternehmen, die wiederum Zehntausende von Zustellfahrern anstellen können. Durch die Leistungen von Amazon soll die Gründung der Lieferfirmen die Unternehmer weniger als 10.000 US-Dollar kosten. Um das neue Angebot noch schmackhafter zu machen, stellt Amazon einen operativen Gewinn von bis zu 300.000 US-Dollar in Aussicht. Das Umsatzpotenzial soll zwischen einer und 4,5 Millionen US-Dollar liegen. Allerdings beziehen sich diese Zahlen auf Unternehmer, die zwischen 20 und 40 Lieferfahrzeuge in ihrer Flotte haben. Letzteres übrigens die scheinbare Höchstgrenze für Kleinunternehmer.

Kundennachfrage so hoch wie nie

Mit dem Schritt emanzipiert sich Amazon ein weiteres Stück von den etablierten Dienstleistern und Partnern wie FedEx, UPS und der US-Post. Zwar betont Amazon in der eigenen Meldung, dass man „großartige Partner“ habe, doch das neue Projekt straft die Worte zumindest teilweise Lügen. Doch Amazon verweist auf das wachsende Geschäft: „Die Kundennachfrage ist höher als je zuvor und wir müssen mehr Kapazität aufbauen. Als wir evaluierten, wie wir unser Wachstum unterstützen können, gingen wir zu unseren Wurzeln zurück, um die Möglichkeit mit kleinen und mittleren Unternehmen zu teilen. Wir werden neue, kleine Unternehmen befähigen, sich zu formieren, um die wachsenden Möglichkeiten der E-Commerce-Paketlieferung zu nutzen“, so Dave Clark, Senior Vice President des weltweiten Geschäfts von Amazon, in der Unternehmensmeldung.

Amazon kündigt im selben Atemzug übrigens an, eine Million US-Dollar für die Finanzierung von StartUps durch Militärveteranen aufzubringen. Demnach sollen qualifizierte Kandidaten 10.000 US-Dollar erhalten, um ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Dass Amazon gern ehemalige Armee-Zugehörige einstellt, ist kein Geheimnis. Auch in Deutschland hält man ganz gezielt nach Mitarbeitern Ausschau, die einen militärischen Hintergrund haben

/ Geschrieben von Julia Ptock