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Harvard-Professor Ryan Raffaelli hat den Überlebenskampf der stationären Buchhändler in den USA analysiert und gibt Tipps, wie Unternehmen gegen Amazon bestehen können.

Buchladen Mädchen
Dean Drobot / shutterstock.com

Gerade der stationäre Buchhandel und Amazon haben eine mehr als schwierige Beziehung: Der E-Commerce-Riese startete einst als reiner Online-Buchversand, die Branche darbte und immer wieder gibt es auch in Deutschland Probleme mit Amazons Vorstößen, wie zum Beispiel der Buch-Geschenkaktion beim Weltkindertag.

Inzwischen haben sich zumindest viele kleinere stationäre Buchhändler in den USA wieder erholt und schaffen es, dem Online-Giganten Paroli zu bieten. Der Harvard-Professor Ryan Raffaelli hat rund acht Jahre die Lage und Strategien dieser unabhängigen Händler untersucht und deren Geheimnisse des Erfolgs im Kampf David gegen Goliath gelüftet, wie Focus berichtet. Dafür hat er nicht nur 258 Händler, Autoren und Verlags-Mitarbeiter interviewt, sondern auch Presse-Artikel ausgewertet und Seminare – und natürlich jede Menge Buchhandlungen – besucht.

Fünf Tipps für Händler im Kampf gegen Amazon

Das Fazit seiner Abhandlung „Reinventing Retail: The Novel Resurgence of Independent Bookstores“ lässt sich an fünf Punkten festmachen: Community (Gemeinschaft), Curation (Kuratierung), Convening (Versammeln), Data und Diffusion (Vernetzung). Das bedeuten die fünf Erfolgsrezepte im Einzelnen:

  • Community / Gemeinschaft: Die Händler sollen ein Zusammengehörigkeitsgefühl schaffen, eine Fan-Gemeinde aufbauen und diese motivieren, lokal einzukaufen.

  • Curation / Empfehlung: Da Händler beim Preis und Sortiment oft nicht mit Amazon konkurrieren können, sollen sie stattdessen den Fokus auf das Einkaufserlebnis legen und etwa individuelle Empfehlungen geben.

  • Convening / Versammeln: Durch einzigartige Events wie Lesungen oder Geburtstags-Partys sollen Besucher und Kunden in den Laden gelockt werden.

  • Data: Daten sammeln und nutzen 

  • Diffusion / Vernetzung: Händler sollen sich besser vernetzen und Strategien teilen, etwa in Verbänden etc.

Raffaelli nennt in seiner Abhandlung einen anonymen Buchhändler, der das Prinzip so zusammenfasst: „Wir sind eigentlich gar nicht in derselben Branche wie Amazon, ein Buch kann man natürlich überall kaufen, aber nicht die Verbindung zwischen zwei Buchliebhabern.“ Gerade bei den beiden letztgenannten Punkten – Daten und Vernetzung – dürfte Amazon aber vielen Händlern deutlich überlegen sein.

Auch andere Branchen können Raffaellis Prinzip nutzen

Trotzdem hält der Professor der Harvard Business School die Empfehlungen auch in anderen Branchen für umsetzbar – die Digitalisierung betrifft schließlich viele Bereiche. Grundsätzlich sollten alle Unternehmen in Krisenzeiten mit neuen Geschäftsmodellen experimentieren. „Die Indie-Buchhändler erwiesen sich als widerstandsfähig gegenüber einer Vielzahl von technologischen Verschiebungen und Änderungen des Geschäftsmodells in der Buchhandelsbranche. Durch die Erschließung einer größeren sozialen Bewegung, die den Wert des lokalen Einkaufs und den Wunsch nach Gemeinschaft hegt, konnten sich erfolgreiche unabhängige Buchhändler von der Konkurrenz abheben und sogar gegen große (Online-)Konkurrenten bestehen“, so seine Schlussfolgerung.

 

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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