Der Lebensstil von Superreichen wie Amazon-Gründer Jeff Bezos steht derzeit massiv in der Kritik – Auslöser ist nicht zuletzt sein Verhalten im Rahmen der UN-Klimakonferenz 2021.

Amazon-Gründer Jeff Bezos
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Im schottischen Glasgow geht es derzeit um nichts Geringeres als die Rettung der Welt: Auf der UN-Klimakonferenz 2021 kommen rund 25.000 Menschen aus rund 200 Ländern zusammen, darunter Politiker, Klimaaktivisten und Branchenspezialisten. Als gemeinsames Ziel geht es darum, den menschengemachten Klimawandel einzudämmen und durch umfangreiche Maßnahmen den Schutz der Umwelt zu fördern.

Mit dabei sind auch namhafte Größen aus der Tech-Branche, wie etwa Microsoft-Gründer Bill Gates oder eben auch Amazon-Gründer Jeff Bezos, die mit Spenden und Maßnahmenpaketen ihren Beitrag leisten wollen – und sich damit gleichzeitig in ein respektables Licht rücken können.

Mit 400 Privatjets zur Rettung der Welt

Zwar hatte Jeff Bezos kürzlich angekündigt, über seinen Klima-Fund, den „Climate Pledge Fund“, insgesamt zwei Milliarden US-Dollar in nachhaltige Unternehmen und somit in den Schutz des Planeten pumpen zu wollen, allerdings wird zumindest die Glaubwürdigkeit seines Engagements derzeit scharf hinterfragt – genau wie der Lebensstil vieler anderer hochrangiger Politiker und Unternehmer. 

Wie BusinessInsider berichtet, kamen Jeff Bezos und andere Top-Verdiener reihenweise mit Privatjets zur Klimakonferenz. Rund 400 private Flieger seien demnach aus dem Luftfahrtsektor gezählt worden. Bezos selbst sei mit seiner 65-Millionen-Dollar-teuren Gulfstream angereist.

Privatjets mit katastrophaler Umwelt-Bilanz

„Es kann nicht genug betont werden, wie schlecht Privatjets für die Umwelt sind, es ist die schlechteste Art, kilometerweit zu reisen“, wird Matt Finch, von der Kampagnengruppe „Transport and Environment“, zitiert, die sich mit nachhaltigem Verkehr auseinandersetzt. Finch hatte sich zuvor gegenüber der schottischen Sunday Mail geäußert.

Laut der gemeinnützigen Organisation „International Council on Clean Transportation“ sei die kommerzielle Luftfahrt nach derzeitigem Stand für rund 2 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Bis 2050 solle sich dieser Wert jedoch noch einmal verdreifachen. Zudem verwies die Nachhaltigkeitsgruppe rund um Finch im Rahmen eines Berichts im Frühjahr darauf, dass Privatflugzeuge pro Passagier etwa 5- bis 14-mal so umweltschädlich seien wie es kommerzielle Flugzeuge sind. Noch deutlicher werde diese schädliche Umwelt-Bilanz mit Blick auf Züge, denn diese seien 50-mal weniger umweltschädlich als Privatjets. „Privatjets sind sehr prestigeträchtig, aber es ist schwer, die Heuchelei zu vermeiden, einen zu benutzen, während man behauptet, den Klimawandel zu bekämpfen“, wird Finch abschließen zitiert.

Doppelmoral der Tech-Milliardäre am Pranger

Nicht nur die Anreisestrategien von Bezos und Co. stehen im Kreuzfeuer. Es werde darüber hinaus die Lebensweise der Tech-Milliardäre an den Pranger gestellt. So feierte etwa Bill Gates kürzlich seinen 66. Geburtstag, auf dem auch Jeff Bezos zusammen mit rund 50 weiteren Gästen zugegen war. Veranstaltungsort der Party war nach Angaben von Nau.ch eine zwei-Millionen-Dollar-Yacht, die eine Route an der türkischen Küste entlang fuhr.

Insbesondere beim Kurznachrichtendienst Twitter sorgte die Feier für Unmut, wobei die Doppelmoral der Teilnehmer im Fokus stand. Während Luxusyachten genau wie Privatjets als Klimasünder im Transportbereich gelten, schmücken sich die Besitzer auf der Klimakonferenz mit scheinheiligen Versprechungen und polieren damit ihr Image, so der Vorwurf.

/ Geschrieben von Tina Plewinski




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