Mitarbeiter von Blue Origin klagen über fehlende Sicherheit und Sexismus bei Jeff Bezos’ Raumfahrt-Unternehmen.

Jeff Bezos vor Blue Origin Rakete
@ Blue Origin

Jeff Bezos hat immer wieder betont, wie wichtig ihm Blue Origin ist – und seine Vorliebe zeigt sich auch darin, dass Milliardengewinne aus dem Verkauf von Amazon-Aktien in sein Raumfahrt-Unternehmen fließen. Blue Origin konkurriert derzeit mit anderen privaten Raumfahrt-Anbietern u.a. um Nasa-Aufträge und private Weltall-Touristen.

Jetzt muss sich Blue Origin allerdings mit einer Flut von Vorwürfen auseinander setzen, die aktuelle und ehemalige Mitarbeiter überwiegend anonym in einem Aufsatz geäußert haben, wie Techcrunch berichtet. Dabei geht es vor allem um Bedenken wegen der Sicherheit sowie Sexismus und sexuelle Belästigung.

Kritik an Bezos: Hauptsache schneller als Musk und Branson 

Die Mitarbeiter werfen Blue Origin vor, im Konkurrenzkampf ums All die Sicherheit zugunsten der Schnelligkeit zu vernachlässigen. So sei es in Besprechungen auf hoher Ebene vor allem darum gegangen, schneller als Elon Musk und Richard Branson mit ihren Projekten zu sein, heißt es im Original des Schreibens. Milliardär Branson gelang es im Juli 2021 wenige Tage vor Bezos, einen Flug ins All zu starten.

„Blue Origin hat Glück gehabt, dass bisher nichts passiert ist“

Als im Jahr 2020 die Test-Flüge der Blue-Origin-Rakete New Shepard in „halsbrecherischem Tempo“ erhöht werden sollten, gab es große Bedenken. Es sei zu Beginn zu wenig Personal da gewesen, dass aber weiter neue Aufgaben bekommen hätte. „Blue Origin hat Glück gehabt, dass bisher nichts passiert ist“, so einer der anonymen Ingenieure. Mehrere Mitarbeiter sagen, dass sie selbst nicht mit einem Fahrzeug von Blue Origin fliegen würden. „Professionelle Meinungsverschiedenheiten werden bei Blue Origin aktiv unterdrückt“, heißt es. „Kritiker innerhalb des Unternehmens wurden aus dem Unternehmen gedrängt(...)“. 

Sexuelle Belästigung und tätliche Angriffe bei Blue Origin?

Außerdem prangern die Kritiker eine „besondere Art von Sexismus“ bei Blue Origin an. Alle leitenden Techniker und Verantwortliche seien Männer, davon seien zahlreiche leitende Angestellte wegen unangemessenen Verhaltens gegenüber Frauen bekannt. Einer sei mehrfach bei der Personalabteilung wegen sexueller Belästigung angezeigt worden, ein anderer bezeichnete Frauen als „kleine Mädchen“, „Püppchen“ oder „Schätzchen“ und sei erst nach einem „tätlichen Angriff“ entlassen worden.

Auch der von Bezos sonst oft proklamierte Umweltschutz – etwa bei seinem Climate Pledge – sei bei Blue Origin nie eine Priorität gewesen, so der Vorwurf.

In dem Beitrag der Kritiker nennt nur eine Person ihren Namen: Alexandra Abrams, ehemalige Leiterin der Mitarbeiterkommunikation von Blue Origin. Diese wurde vor rund zwei Jahren entlassen, nachdem sie wiederholt wegen Problemen im Zusammenhang mit Bundes-Exportkontrollvorschriften verwarnt worden war, heißt es. 

Das sagt Blue Origin zu den Vorwürfen

Blue Origin hat auf die Vorwürfe reagiert und ein Statement abgegeben. „Blue Origin toleriert keine Diskriminierung oder Belästigung jeglicher Art. Wir bieten zahlreiche Möglichkeiten für unsere Mitarbeiter, einschließlich einer anonymen 24/7-Hotline, und werden jeden neuen Vorwurf von Fehlverhalten umgehend untersuchen. Wir stehen zu unserer Sicherheitsbilanz und sind davon überzeugt, dass die New Shepard das sicherste Raumfahrzeug ist, das jemals entwickelt oder gebaut wurde.“

/ Geschrieben von Markus Gärtner




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