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Die Streiks von Verdi bei Amazon ist man gewohnt. Gerade vor Weihnachten wird vermehrt auf das Recht zurückgegriffen. Nun hat Verdi jedoch einen fragwürdigen Weg eingeschlagen. Seit dem Wochenende fordert die Gewerkschaft Verbraucher zum „Solidaritätsstreik“ auf.

Streikschild
© Julia Ptock | Händlerbund

Verdi vs. Amazon. Seit Jahren tobt dieser Arbeitskampf nun und bisher beschränkte sich Verdi vor allem auf Streiks. Nun hat die Auseinandersetzung allerdings ein neues Level erreicht. Denn anstatt sich an die Amazon-Beschäftigten zu wenden und sie zur Arbeitsniederlegung aufzurufen, wendet sich die Gewerkschaft dieser Tage an die Konsumenten.

Verdi nutzt deutsche Rechtsprechung zu seinen Gunsten

Seit dem Wochenende ruft Verdi offiziell zum „Solidaritätsstreik“ auf. Dabei handelt es sich laut Verdi nicht um einen "Boykott" von Amazon, sondern um einen „Konsument*innen-Streik bei Amazon“. In dem Aufruf werden die Konsumenten dazu aufgefordert, für mindestens 40 Euro bei dem Online-Riesen zu bestellen und diese Bestellung mit einer Solidaritätsbekundung für die Streikenden an Amazon zurückzuschicken.

Das Ziel von Verdi ist dabei, den Konzern durch die „unprofitable Mehrarbeit“ ökonomisch unter Druck zu setzen. Zusätzlich soll dadurch den Streikenden der Rücken gestärkt werden. Mit der Aktion hebt Verdi den Streik auf ein neues Level und nutzt dabei auch die deutsche Rechtsprechung zu seinen Gunsten. Denn Amazon ist wie jeder andere Online-Händler an das 14-tägige Widerrufsrecht gebunden und kann dies auch nicht ohne spezielle Gründe dem Kunden untersagen.

Der Erfolg der Aktion ist dabei davon abhängig, wie viele Verbraucher sich dem „Solidaritätsstreik“ anschließen. Auf Twitter halten sich die Befürworter zurück – nur vereinzelt finden sich Sympathisanten, die dem Aufruf folgen.

Mehrarbeit für nichtstreikende Amazon-Mitarbeiter und Paketboten

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Stimmen, die dem Aufruf kritisch gegenüber stehen. Auf take-me-to-auction.de wird der Aufruf als „fragwürdige Idee“ kritisiert, mit der man „Amazon (und damit auch FBA Händlern) Schaden zufügen“ kann. Und tatsächlich ist diese Kritik durchaus berechtigt. Denn durch den Mehraufwand werden die Logistikmitarbeiter, die sich nicht im Streik befinden, mehrbelastet. Neben den Amazon-Mitarbeitern sind es aber vor allem die Paketboten, die von diesem Mehraufwand betroffen sind. Die ohnehin schon stressige und arbeitsreiche Situation kurz vor Weihnachten wird durch eine solche Aktion noch weiter verschärft. Die Arbeitsbedingungen werden für die Paketboten deshalb sicherlich nicht besser.

Aber auch ökologisch ist so ein Aufruf fragwürdig. Auch wenn der Online-Handel nicht der Klimakiller ist, wie er oft dargestellt wird, ist eine solche Aktion nicht nützlich. Die unnötigen Bestellung und damit einhergehenden Retouren sind vor allem auf die Masse gesehen nicht klima- und umweltfreundlich.

Verdi sollte sich deswegen die Frage stellen, ob der Aufruf zum „Solidaritätsstreik“ tatsächlich zielführend ist oder ob es nur ein weiterer und verzweifelter Versuch ist, sich gegen Amazon durchzusetzen.

/ Geschrieben von Julia Ptock


Kommentare

#2 Caroline 2016-03-09 14:12
Ich werde nie wieder bei Amazon kaufen. Wenn es sich überhaupt nicht vermeiden lässt und ich bin ausversehen auf der Amazonseite, dann schaue ich ob ein Dritthändler ein Produkt anbietet und suche sein Impressum auf Amazon, um diesen Händler dirket zu kontaktieren. Unser Einzelhandel in den schönen Städten leidet ja auch unter Beratungsklau, warum also nicht auch dies auf Amazon betreiben? Es gibt ein amerikanisches Portal, dass nennt sich the face of amazon. Hier schreiben Mitarbeiter über die Greueltaten im Job von Amazon. Amazon fehlt jeglicher Respekt vor Menschen und Arbeit/Leistung . Das Amazon so groß wurde ist das gnadenlose übergehen aller menschlichen Regeln und Steuerfreiheit.
#1 Steffen Bertram 2015-12-22 19:13
Nach deutschem Recht ist der Aufruf von Gewerkschaften zu einem Boykott rechtswidrig und somit verboten. Hier schlittert Verdi also sehr eng an teuren juristischen Grenzen vorbei - oder versucht es jedenfalls. Dass man damit - wie der Artikel ja durchaus anreißt - den eigenen Leuten in den Rücken fällt, interessiert nicht. Wobei die wenigstens Amazon-Mitarbei ter ja Verdi-Mitgliede r sind. Vielleicht denkt man sich ja bei Verdi, um die ist es eh nicht schade. Wer weiß.



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