Andy Jassy wird der neue CEO von Amazon. Der Nachfolger von Jeff Bezos war fast seit Beginn bei Amazon und gilt als detailversessen.

Andy Jassy
Amazon

Die Vorschusslorbeeren sind groß: „Andy ist fast so lange bei Amazon wie ich. Er wird eine herausragende Führungsperson sein, und er hat mein volles Vertrauen“, sagte Noch-Amazon-Chef Jeff Bezos bei der Ankündigung seines baldigen Rücktritts über seinen Nachfolger Andy Jassy. 

Das Vertrauen hat sich der 53-Jährige über zwei Jahrzehnte bei Amazon erarbeitet: Es war sein erster Job nach dem Master-Studium, derzeit leitet Jassy Amazon Web Services (AWS), die Cloud-Sparte des E-Commerce-Riesen und Cash Cow des Gesamtunternehmens. AWS ist Marktführer und bringt Amazon 60 Prozent des operativen Gesamtgewinns ein. Mit dem Amazon-Chefposten würdigt Bezos nicht nur Jassys Erfolg, sondern zeigt auch, dass das Cloud-Geschäft in Zukunft für Amazon noch relevanter wird.

Jassy hat an der renommierten Harvard Business School einen Master of Business Administration erworben, ehe er 1997 von Bezos zu Amazon geholt wurde, wo er zunächst als Marketing Manager arbeitete. 2003 war er Mitgründer von AWS, 13 Jahre später wurde er dort CEO. Ein Nachfolger für Jassy bei AWS wurde noch nicht genannt.

Neuer Amazon-Chef Andy Jassy: Ein „Hai“ und Bezos’„Schattenberater“

Der AWS-Chef gilt als analytisch, durchsetzungsstark – und detailversessen, wie ihn ein Ex-Mitarbeiter in einem Porträt bei Business Insider beschreibt: „Er hat ein enormes Vertrauen in sein Team, aber man muss auf höchstem Niveau für jedes Treffen mit ihm bereit sein. Er ist ein Hai, der einen Blutstropfen aus 100 Meilen Entfernung riecht, wenn man nicht vorbereitet ist.“ Weiterer Beweis für die Liebe zum Detail: Jassy soll sogar jede einzelne AWS-Pressemitteilung absegnen, wie es heißt. 

Diese Eigenschaften dürften ihn 2003 auch zu Bezos’ erstem „Shadow“ gemacht haben, einem „Schattenberater“ und Stabschef, der durch gemeinsame Geschäftsreisen und Meetings mit dem Amazon-Gründer quasi ein hautnahes einjähriges CEO-Ausbildungsprogramm durchlaufen hat. Wusste Bezos schon damals, dass er dem aufstrebenden Begleiter möglicherweise sein Vermächtnis in die Hände geben kann? Auch andere Big Player der Tech-Branche wurden später auf Jassy aufmerksam, so soll er unter anderem auch als möglicher CEO von Microsoft und Uber im Gespräch gewesen sein. 

Abwehrchef bei Amazon: Jassys neue Rolle in der Öffentlichkeit

Als AWS-Chef hat Jassy bisher eher im Hintergrund agiert, machte aber zuletzt mit dem Stopp der AWS-Dienste für die Hetz-Plattform Parler von sich reden. In Zukunft wird Jassy aber die ganz große Bühne betreten und muss sich dann auch politisch viel mehr für sein neues Unternehmen verantworten – immerhin laufen zahlreiche Kartell-Untersuchungen gegen Amazon, auch die Kritik an den Arbeitsbedingungen des Online-Giganten nimmt nicht ab. Aber als „Hai“ ist er für das Haifischbecken möglicherweise gut gerüstet.

Privat soll Jassy vor allem großer Sportfan sein: Er hat in seinem Haus eine große Sportsbar, außerdem ist er Minderheitseigentümer des US-Eishockeyteams Seattle Kraken. Jassy, ursprünglich aus New York, lebt auch gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Seattle, wo Amazon seinen Firmensitz hat. Wenngleich er Bezos nun als Amazon-Chef beerbt – in Sachen Reichtum ist Jassy noch weit von seinem ehemaligen Mentor entfernt: Jassys Nettovermögen wird auf „nur“ rund 377 Millionen US-Dollar geschätzt.

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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