Amazon sagt den Bau eines Logistikzentrums in Grevesmühlen überraschend ab.

Amazon-Lager
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Eine Ansiedlung von Amazon an einem neuen Standort ist mit jeder Menge Vor- und Nachteilen verbunden, von neuen Arbeitsplätzen und Gewerbesteuern bis zu Verkehrs- und Umweltproblemen für die jeweilige Gemeinde. Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern), nordwestlich von Schwerin, hatte vor allem auf die positiven Wirkungen gehofft, denn eigentlich hatte Amazon den Bau eines großen Logistikzentrums mit 1000 Jobs geplant. Dieser wurde jetzt jedoch abgesagt, wie der NDR berichtet. 

Das sind Amazons Gründe für die Absage

Auf Nachfrage von Amazon Watchblog erklärt ein Amazon-Sprecher die Gründe für die Absage: „Wir möchten uns bei den Vertretern von Grevesmühlen und Upahl für die stets konstruktiven Gespräche bedanken. Letztendlich gibt es viele Faktoren, die sich auf eine mögliche Ansiedlung auswirken können, einschließlich einer besseren Nutzung bestehender Standorte, einschließlich einer verstärkten Einstellung von Mitarbeitern:innen an diesen Standorten.“

Update: Verlust von Jobs und Kaufkraft für Grevesmühlen

Lars Prahler, Bürgermeister von Grevesmühlen, zeigte sich laut NDR überrascht von dem Rückzieher, eigentlich seien die Verträge unterschriftsreif gewesen. Auf Anfrage von Amazon Watchblog erklärt er die Auswirkungen von Amazons Rückzug. Die Ansiedlung des Logistikzentrums hätte demnach mindestens 800 Arbeitsplätze geschaffen. „Dies hätte natürlich gerade im Segment der nicht hoch qualifizierten Arbeitssuchenden, die es auch in unserer Region in nennenswerte Größenordnung gibt, ein zusätzliches und auch durchaus attraktives Angebot bedeutet. Zudem ist von einem begrenzten Zuzug neuer Einwohnerinnen und Einwohner in die Stadt und in das direkte Umland auszugehen gewesen, was wiederum gesteigerte Kaufkraft und Wohnungsbedarf mit sich gebracht hätte“, so Prahler.

Martin Kopp, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg, vermutet laut NDR, dass der Krieg in der Ukraine und die abnehmende Konsumlaune die Gründe für Amazons Umdenken sein könnten. 

Doch Amazons Absage könnte einen Dominoeffekt vor Ort auslösen. Denn auch weitere Unternehmen wollten sich in dem Gewerbegebiet ansiedeln – teils aber nur, wenn der Online-Riese kommt. Allerdings sei die ursprüngliche Ansiedlung von Amazon „zwar eine große, aber nicht die einzige im geplanten Großgewerbegebiet“, so der Bürgermeister. Die politischen Entscheidungsträger würden nun beraten, ob und wie es unter den geänderten Rahmenbedingungen weiter gehe, sagt Prahler. 

Laut Experten könnten nun durch die Folgen des Ukraine-Krieges auch weitere geplante Standorte in Gefahr geraten: Auch in Schwerin hatte Amazon eigentlich ein Logistikzentrum geplant. Amazon hatte jüngst verkündet, rund 6.000 neue Mitarbeiter in allen Bereichen zu suchen.

Was ist der Unterschied zwischen Logistik-, Sortier- und Verteilzentrum?

Amazon betreibt drei verschiedene Arten von Zentren in Deutschland: In den großen Logistik-Zentren wird Ware der Händler angenommen, eingelagert, kommissioniert und verpackt. In den kleineren Sortierzentren werden die Pakete für den weiteren Versand nach Postleitzahlen sortiert, bevor sie über die kleinsten Standorte, die Verteilzentren, schließlich zum Endkunden geliefert werden. Amazon beschäftigt in der firmeneigenen Logistik nach eigenen Angaben deutschlandweit rund 16.000 Festangestellte und betreibt bereits 15 Logistik-Zentren an 14 Standorten.

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/ Geschrieben von Markus Gärtner




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