Amazons Deutschland-Chef Ralf Kleber setzt sich für einen neuen Umgang mit dem Spenden von Retouren ein.

Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber
Tina Plewinski / Amazon Watchblog

Retouren sind für fast jeden schlecht (außer vielleicht die Lieferdienste): Online-Shopper müssen die Ware wieder einpacken und zurückschicken, der Händler kann teils mit der retournierten Ware nichts mehr anfangen und hat zusätzlichen Aufwand, von den Schäden für die Umwelt gar nicht zu sprechen. Dazu kommt: Die nicht mehr verkäuflichen Retoure-Artikel einfach zu spenden, verursacht wegen der anfallenden Umsatzsteuer sogar noch Zusatzkosten. Die paradoxe Folge: Für einen Händler ist es teils lukrativer, die Ware einfach zu vernichten statt sie zu spenden. 

Dagegen will Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber jetzt vorgehen, wie er in einem Posting auf dem Amazon-Unternehmensblog erklärt. „Das ist eine Belastung, die vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen – wie unsere Verkaufspartner – oft nicht stemmen können. Oder in anderen Worten: Produkte zu spenden ist teurer, als sie zu entsorgen – und das können sich viele kleine Unternehmen nicht leisten.“

Amazon will FBA Donations in Deutschland starten

Amazons Lösungsvorschlag wäre der Deutschland-Start des eigenen Programms „FBA Donations“, das seit einem Jahr in Großbritannien und den USA und seit Kurzem auch in Frankreich läuft. Bei dem Spendenprogramm können Händler, die das Fulfillment von Amazon (FBA) nutzen, zurückgeschickte Ware an gemeinnützige Organisationen geben – der E-Commerce-Platzhirsch übernimmt dabei Kosten und Organisation. Dabei hätten bedürftige Personen bisher rund 20 Millionen unverkaufte Artikel erhalten, darunter Haushaltsgeräte, Werkzeuge und Kleidung, heißt es von Amazon.

„Wir stehen in den Startlöchern, dieses Programm auch nach Deutschland zu bringen – wenn es die Gesetzeslage hergeben würde“, erklärt Kleber. Amazon befinde sich dazu im Dialog mit politischen Entscheidern, um einen nötigen Regulierungsrahmen zu schaffen. Frankreich und Belgien hätten die entsprechende Steuerhürde bereits abgebaut.

Retourenspenden und Retourenvernichtung – Diese Gesetze sind in Arbeit

Bereits im Herbst 2019 gab es einen ähnlichen Vorstoß der Grünen, der eine Neuregelung der Retourenspende forderte, wie Onlinehändler News berichtete. Das Finanzministerium erklärte damals, dass man Unternehmen nicht von der Umsatzsteuer auf Sachspenden befreien könne – die Händler sollten stattdessen den Marktwert der unverkäuflichen Retoure so niedrig ansetzen, dass keine oder nur geringe Umsatzsteuern anfallen. Zusätzlich ist derzeit sowohl in der EU als auch in Deutschland ein Gesetz zur generellen Retourenvernichtung in Arbeit.

Amazon würde durch den Start des Spendenprogramms in Deutschland sowohl seine FBA-Händler stärker an sich binden als auch seine jüngst forcierte Nachhaltigkeitsstrategie ausbauen – Umweltschutz sollte aber gerade für Branchenriesen wie Amazon eine Selbstverständlichkeit sein, wie Tina Plewinski kommentierte. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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