Wie laufen Sachspenden im Hause Amazon ab? Ein neues Video des Konzerns rückt das Thema in den Blick.

Lächeln auf einem Amazon-Paket
Julie Clopper / Shutterstock.com

Als einer der größten Online-Händler überhaupt ist Amazon mit Unmengen an Retouren konfrontiert. Einen Teil dieser Retouren spendet der Konzern dann für gemeinnützige Zwecke. Doch wie läuft so etwas ab? Wer profitiert davon? Und wie genau kommen wohltätige Organisationen schlussendlich an jene Spendenprodukte, die sie benötigen?

Antworten auf diese Fragen liefert Amazon in einem neuen, kurzen Video: In dem rund einminütigen Clip gewährt der Konzern Einblicke hinter die Kulissen und erläutert dabei speziell die Zusammenarbeit mit dem Sachspendenvermittler Innatura:

Amazon: Kritik an massenhafter Vernichtung von Produkten

Trotz solcher Spendenstrategien wurde Amazon in der Vergangenheit immer wieder auch für die systematische und massenhafte Vernichtung vermeintlich neuwertiger Produkte kritisiert. Ob Kleidung, Spielzeug, Bücher, Möbel oder Elektro-Artikel – im Sommer 2018 gab es nach einem Bericht des ZDF-Magazins Frontal21 einen medialen und später auch politischen Aufschrei: Dort wurde über die massenhafte Vernichtung von Produkten berichtet, die nicht nur funktionstüchtig, sondern teils sogar neuwertig seien. Täglich würden „Waren im Wert von mehreren zehntausend Euro vernichtet“, hieß es damals.

Auch Recherchen des ARD-Magazins Panorama hatten im vergangenen Jahr ergeben, dass in Logistikzentren von Amazon – speziell am Standort Winsen – eine eigene Abteilung damit betraut sei, Waren in sogenannten „Destroy-Stationen“ (also „Zerstörungs-Stationen“) auszusortieren, die dann wiederum zu einer Entsorgungsfirma gebracht und verbrannt oder etwa zu Putzlappen verarbeitet würden.

Insbesondere auch Waren von Dritthändlern seien von einer solchen Vernichtung betroffen: „Amazon bietet ihnen unter anderem die Entsorgung an, wenn etwa ihre bei Amazon gelagerten Waren über einen bestimmten Zeitraum hinweg nicht verkauft wurden“, hieß es im Frühjahr 2021 beim Ersten. Mit dem Start neuer Versand- und Verkaufsoptionen wollte Amazon daraufhin gegensteuern und dafür sorgen, dass Händler unverkaufte Lagerware sowie Restposten in Zukunft einfacher weiterverkaufen können, statt diese zu vernichten.

Spenden – in Deutschland noch immer ein Problem

Das Problem der Warenvernichtung ist keineswegs neu und betrifft grundsätzlich zahlreiche Unternehmen in der Online-Branche. Ralf Kleber, ehemaliger Amazon-Chef in Deutschland, kritisierte Ende 2020 selbst die bestehenden Strukturen und Richtlinien. Denn auf Sachspenden muss noch immer Umsatzsteuer gezahlt werden, eine steuerliche Belastung für hiesige Unternehmen, die in der Praxis zu weniger Wohltätigkeit führt: „Das ist eine Belastung, die vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen – wie unsere Verkaufspartner – oft nicht stemmen können. Oder in anderen Worten: Produkte zu spenden ist teurer, als sie zu entsorgen – und das können sich viele kleine Unternehmen nicht leisten.“

Dieses Problem von teuren Spenden hat die Politik allerdings im Blick: Im Koalitionsvertrag der Ampel-Regierung wird das Thema explizit aufgegriffen und neue Regelungen versprochen, die nicht nur gut für Unternehmen, sondern auch für die Umwelt seien. Konkret heißt es dort: „Wir werden bestehende steuerrechtliche Hürden für Sachspenden an gemeinnützige Organisationen durch eine rechtssichere, bürokratiearme und einfache Regelung beseitigen“, zitiert ZDF aus dem Dokument.

Für Amazon und Co. dürfte es also künftig noch einfacher werden, wohltätig zu sein und Produkte zu spenden.

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/ Geschrieben von Tina Plewinski




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