Amazon macht Schluss mit seinem Lieferdienst Flex, Fahrer kritisieren das abrupte Ende.

Fahrer mit Amazon-Paket
Cineberg / shutterstock.com

Bei Amazon Flex konnten Fahrer als Solo-Selbständige mit allen Vor- und Nachteilen für das Unternehmen Pakete und Waren ausfahren. Amazon startetet Flex 2017 in Deutschland – und hat sein Programm jetzt nach knapp fünf Jahren eingestellt, wie das Unternehmen mitteilt. Ehemalige Fahrer kritisieren das überraschende Ende.  

So erklärt Amazon das Ende von Flex

Warum Amazon Flex beendet, bleibt im Detail unklar. „Wie üblich, entwickeln wir kontinuierlich bestehende Programme weiter und evaluieren sie. Auf dieser Basis haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, das Amazon Flex Programm in Deutschland nicht weiterzuführen und stattdessen auf die Zustellung durch bestehende Lieferunternehmen zu setzen“, erklärt das Unternehmen. Es habe nur eine „vergleichsweise kleine Anzahl“ von Lieferungen durch Amazon Flex gegeben. Der Versand an die Kunden soll davon nicht beeinträchtigt werden, so das Unternehmen. 

Amazon will nach eigenen Angaben den Ex-Flex-Fahrern helfen, andere Jobs bei Amazon zu finden. Außerdem sollen sie eine „freiwillige Unterstützungszahlung“ von Amazon erhalten. Diese basiert auf dem durchschnittlichen Einkommen der vergangenen vier Monate.

Verdi begrüßt das Ende des Amazon-Programms

Die Gewerkschaft Verdi begrüßt die Einstellung des Amazon-Flex-Modells, wie Stefan Thyroke, Bundesfachgruppenleiter Speditionen, Logistik und Kurier-, Express- und Paketdienste auf Anfrage von Amazon Watchblog erklärt. „Die Beschäftigten befanden sich in einer unsicheren rechtlichen Situation, denn seit mittlerweile zwei Jahren werden durch das Bundessozialgericht harte Kriterien an die Selbständigkeit gelegt. Nachzahlungen von Sozialversicherungs-Beiträgen drohten. Diese werden zwar nur durch den vermeintlichen Arbeitgeber, also Amazon, beglichen, aber dennoch, befanden sich die Zusteller*innen in einer unklaren Situation.“

Verdi fordert generell von allen Paketdienstleistern, die Zusteller*innen selbst zu beschäftigen. Bei Amazon seien nahezu alle Beschäftigen, die bei Sub-Unternehmen für Amazon fahren, ohne Tarifbindung und ohne den Schutz von Betriebsräten.

Amazons Liefer-Programm Flex stand immer wieder wegen der Bedingungen und verschiedener Aspekte in der Kritik: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung bezeichnete Amazon deswegen als „Treiber der Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen“, in Spanien musste Amazon nach einem Gerichtsurteil zu Scheinselbstständigkeit die Flex-Fahrer fest anstellen. Auch die Überwachung der Fahrer sowie die Leistungsmessungen und der Umgang mit den Flex-Fahrern warf ein schlechtes Bild auf diesen Logistikbereich.

Kritik von Flex-Fahrern an Amazon

Verschiedene Teilnehmer des Flex-Programms haben sich auch beim Amazon Watchblog gemeldet und kritisieren Amazons Schritt. Ein Flex-Fahrer, der zweieinhalb Jahre für Amazon gearbeitet hat, klagt, dass das Unternehmen alle Fahrer im Regen stehen lässt, der E-Mail-Support antworte nur mit Standardfloskeln. Amazon habe es zunächst wohl nicht für nötig gehalten, die Fahrer rechtzeitig zu informieren. Auch in verschiedenen Facebook-Gruppen beschweren sich Fahrer über die Art der Kommunikation Amazons.

Für viele bringt das Ende des Programms Geldsorgen – auch, weil sie zuvor investiert hatten. So berichtet ein Fahrer, dass er sich für das Flex-Programm erst im März 2022 einen Kleintransporter fremdfinanziert hatte – jetzt stehe er vor finanziellen Herausforderungen.

In den USA läuft Flex weiter. 

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/ Geschrieben von Markus Gärtner

Kommentare

#1 anti-spiegel 2022-06-08 23:12
Und was aendert diese Meldung an der Entscheidung??? ? NULL, nada, nill ...... ergo FAKEnews, Nachricht OHNE Wert

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Lieber Nutzer, vielen Dank für ihren Kommentar, der Begriff „Fake News“ bezieht sich auf faktisch falsche Nachrichten – das ist hier nicht der Fall.

Mit freundlichen Grüßen,
die AWB-Redaktion



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