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Das Open Markets Institute zeigt in einer Studie, wie detailliert Amazon seine Angestellten überwacht – auch im Hinblick auf die Mitarbeit in einer Gewerkschaft.

 

Amazon Lager
© Amazon

„Amazon ist vor allem eine Überwachungsfirma“, die Datensammlung sei der Kern jedes von Amazons Geschäftsmodellen – so heißt es in dem Bericht „Eyes Everywhere: Amazon's Surveillance Infrastructure and Revitalizing Worker Power“. Darin untersucht die unabhängige US-Organisation Open Markets Institute die Überwachungskultur bei dem E-Commerce-Riesen und die Folgen für die Arbeitnehmer.

Amazon behandle Mitarbeiter wie „Roboter“ und „Zombies“

Die intensive Überwachung bei Amazon wird demnach nicht zur Leistungskontrolle genutzt, sondern auch um Arbeiterinnen und Arbeiter von einer gewerkschaftlichen Organisierung abzuhalten, wie es in dem Bericht heißt. Mitarbeiter würden jederzeit entlassen werden können, wenn sie von Messwerten abweichen, von deren Existenz sie nicht einmal wüssten, so die Kritik. Die Beziehung zwischen Amazon und seinen Angestellten sei geprägt von „Kontrolle, Erniedrigung und unablässiger Angst“, Mitarbeiter würden wie „Zombies“ oder „Roboter“ behandelt.

So kontrolliert Amazon seine Logistik-Mitarbeiter

Das Portal Netzpolitik.org führt einige der kritisierten Maßnahmen im Einzelnen auf. 

 

  • Mitarbeiter in den Logistikzentren dürfen keine persönlichen Gegenstände mit in das Gebäude nehmen und müssen ihre Sachen inklusive Handy abgeben. Geld dürfen sie in einem klaren Plastikbeutel aufbewahren.

  • Die vielerorts installierten Kameras sollen nicht nur unter anderem Diebstähle verhindern, sondern auch jede Form der Absprache und Organisation der Beschäftigten (etwa in Gewerkschaften). Große Bildschirme in Lagerhallen sollen außerdem Aufnahmen von Beschäftigten zeigen, die beim Klauen erwischt worden sind.

  • Scanner messen die Leistung der Logistik-Mitarbeiter, etwa wie viele Sekunden eine Beschäftigte für das Füllen eines Regals braucht. Verstößt ein Mitarbeiter zu oft gegen die straffen Vorgaben, erhält er Warnungen und wird gekündigt. Dieses Verfahren wurde bereits mehrfach beschrieben und kritisiert – auch in österreichischen Amazon-Lagern. In Großbritannien sollen Amazon-Arbeiter 2018 aus Zeitdruck sogar den Gang zur Toilette vermieden und stattdessen in Flaschen uriniert haben.

  • Amazon analysiere mit einer speziellen Software verschiedene Kriterien, um herauszufinden, in welchen Filialen seiner Lebensmittelkette Whole Foods sich womöglich Mitarbeiter gewerkschaftlich organisieren könnten. Ausgewertet wird unter anderem die Loyalität und ethnische Vielfalt der Mitarbeiter, die örtliche Nähe zu einem Gewerkschaftsbüro, die von der Arbeitsschutzbehörde registrierten Verstöße und die Arbeitslosenquote vor Ort. Auch über dieses System, das mit Heatmaps dargestellt wird, wurde schon im April berichtet.

Das sagt Amazon zu den Vorwürfen

Amazon bestreitet laut netzpolitik.org die genannten Vorwürfe über die Bedingungen in den USA. „Diese Behauptungen treffen nicht zu. Die Leistung der Mitarbeiter wird über einen langen Zeitraum betrachtet und bewertet. Wir wissen, dass viele Faktoren die Leistung von Menschen beeinflussen. Wo wir sehen, dass die Leistung über längere Zeit nicht erreicht wird, unterstützen wir mit Feedback und Coaching“, sagte ein Sprecher.

Auch in Deutschland wäre Amazon aber sehr aktiv beim Bewerten und Einordnen von Mitarbeitern, sagte Thomas Schneider von Verdi. Das beträfe auch den Umgang mit der Gewerkschaft. 

Die Macher der Studie fordern unter anderem ein Verbot derart invasiver Überwachung. Außerdem soll der US-Kongress die Bildung von Gewerkschaften stärken. 

/ Geschrieben von Markus Gärtner





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